Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich rasant zu einem strategischen Thema in der IT-Branche. Unsere aktuelle Market-Insights-Umfrage unter 394 IT-Dienstleistern, Systemhäusern, Systemintegratoren und Service-Providern in Deutschland und Österreich zeigt: Der KI-Wandel ist in der Branche angekommen – doch die Integration in marktfähige, skalierbare Portfolios befindet sich vielfach noch im Übergang.
IT-Dienstleister erkennen KI klar als relevantes Zukunftsthema, insbesondere in den Bereichen Service & Support, IT-Automatisierung sowie Vertrieb & Marketing. Gleichzeitig zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen dieser Erwartungshaltung und der eigenen, aktuellen Marktreife: Nur ein kleiner Teil der IT-Dienstleister bietet heute bereits marktfähige KI-Lösungen im Portfolio an. Planung, Tests und Pilotprojekte dominieren weiterhin das Bild. Die zentrale Herausforderung liegt damit weniger in der Technologie selbst als in der Übersetzung in skalierbare Angebote und klare Go-to-Market-Strukturen.
Die Befragung wurde im Zeitraum von November bis Dezember 2025 durchgeführt. Teilgenommen haben Geschäftsführer, Vertriebsleiter sowie Verantwortliche für Herstellerauswahl und Portfolio-Management bei IT-Dienstleistern.
KI im Portfolio: Viele Aktivitäten, wenig Marktreife
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild zum aktuellen Stand KI-basierter Lösungen im Portfolio von IT-Dienstleistern:
- 13 % der Befragten bieten KI-Lösungen bereits marktreif im Portfolio an und verkaufen diese aktiv.
- 17 % befinden sich aktuell in der internen Entwicklung oder Testphase.
- 4 % testen KI-Lösungen bereits gemeinsam mit Kunden im Rahmen von Pilotprojekten (PoCs).
- 26 % planen die Aufnahme von KI-Lösungen, haben diese jedoch noch nicht im Portfolio.
- 27 % verfolgen derzeit keine konkreten KI-Pläne.
Damit zeigt sich: Zwar setzen sich viele IT-Dienstleister bereits mit KI auseinander, doch der Schritt von Planung, Tests und Pilotprojekten hin zu einem skalierbaren, marktfähigen Angebot ist bislang nur einem kleineren Teil gelungen.

Einsatzfelder bei Endkunden: Fokus auf Service, IT-Automatisierung und Vertrieb
Gefragt nach den Bereichen, in denen sich KI bei ihren Kunden voraussichtlich am stärksten durchsetzen und produktiv eingesetzt werden wird, sehen IT-Dienstleister vor allem folgende Anwendungsfelder:
- Kundenservice & Support (26 %), etwa durch Chatbots oder virtuelle Assistenten
- Automatisierung von IT-Prozessen (19 %), beispielsweise in Support- oder Cybersecurity-Szenarien
- Vertriebs- und Marketingunterstützung (16 %), unter anderem durch Prognosen oder Lead-Qualifizierung
Deutlich geringer wird das Potenzial von KI aktuell in Supply Chain & Logistik eingeschätzt. Lediglich 3 % der Befragten sehen hier relevante Einsatzmöglichkeiten, etwa zur Optimierung von Lieferketten, Bestandsmanagement oder zur Vermeidung von Ausfallzeiten. Auch Produktion und Fertigung spielen mit rund 5 % eine untergeordnete Rolle – ein Hinweis darauf, dass OT-nahe Themen weiterhin nicht zum Kerngeschäft vieler IT-Dienstleister zählen.

Herausforderungen bei der KI-Integration bei Endkunden
Neben den erwarteten Potenzialen zeigt die Umfrage auch ein differenziertes Bild der Herausforderungen, mit denen IT-Dienstleister bei der Integration von KI-Lösungen bei ihren Kunden konfrontiert sind bzw. die sie erwarten.
Regulatorische und sicherheitsrelevante Aspekte
- 20 % nennen Datenschutz- und Sicherheitsbedenken als zentrale Herausforderung.
- 18 % sehen rechtliche Unsicherheiten als Hürde, etwa im Hinblick auf Haftung, Compliance oder regulatorische Vorgaben.
Technologische und strategische Herausforderungen
- 15 % berichten von Herausforderungen bei der Auswahl geeigneter KI-Lösungen.
- 13 % empfinden die Komplexität der Technologie als wesentliches Hemmnis, insbesondere bei Integration und Betrieb.
Organisatorische Faktoren
- 9 % nennen mangelnde Ressourcen oder begrenzte Budgets als Herausforderung.
- 8 % beobachten Akzeptanzprobleme bei Mitarbeitenden, etwa durch Vorbehalte, fehlendes Know-how oder Unsicherheiten im Umgang mit KI.
Sonstige Nennungen
- 5 % geben an, keinen Verkauf von KI-Lösungen zu planen, wodurch sich die Frage der Integration für sie derzeit nicht stellt.
- 4 % sehen keine Herausforderungen bei der Integration von KI.
- 8 % machten keine Angabe.
In der Gesamtbetrachtung wird deutlich, dass weniger die Technologie selbst, sondern vor allem regulatorische Rahmenbedingungen, Sicherheitsfragen sowie Orientierung im KI-Markt als zentrale Bremsfaktoren wahrgenommen werden. Die Herausforderung für IT-Dienstleister liegt damit zunehmend darin, technische Möglichkeiten, rechtliche Anforderungen und organisatorische Voraussetzungen in ein klares, umsetzbares Angebotsmodell zu überführen.

Haltung zum KI-Wandel: Überwiegend sachlich und offen
Auch die persönliche Einstellung der Befragten zum KI-Wandel fällt differenziert aus:
- 35 % sehen die Chancen von KI klar im Vordergrund
- 36 % bewerten die Entwicklung neutral
- 14 % nehmen KI eher kritisch oder als Risiko wahr
Die Ergebnisse zeigen: Trotz bestehender Unsicherheiten wird KI in der Branche überwiegend sachlich und offen betrachtet. Skepsis ist vorhanden, dominiert jedoch nicht die Wahrnehmung.

Die Market-Insights-Ergebnisse verdeutlichen einen strukturellen Wandel im IT-Channel. KI ist längst kein reines Innovationsthema mehr, sondern entwickelt sich zu einem Reifegrad-Test für IT-Dienstleister.
Die zentrale Herausforderung liegt weniger in der Technologie selbst als in der Übersetzung von Pilotprojekten in skalierbare, marktfähige Angebote.
Der Markt steht damit vor einer entscheidenden Phase: Der Übergang von Planung, Tests und Proof-of-Concepts hin zu produktivem Verkauf und klarer Go-to-Market-Strategie wird darüber entscheiden, welche IT-Dienstleister KI nachhaltig als Wachstumsfeld etablieren können.
UNSER FAZIT
KI als Reifegrad-Test für IT-Dienstleister
Die Umfrageergebnisse spiegeln einen klaren Wandel in der IT-Dienstleistungsbranche wider:
Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch, aber in vielen Fällen noch nicht vollständig im Portfolio integriert. Der Markt steht vor einer entscheidenden Skalierungsphase: der Übergang von Planung und Tests hin zu produktivem Verkauf stellt aktuell die zentrale Hürde dar.
Grundsätzlich wird der KI-Trend von den IT-Dienstleistern überwiegend neutral bis positiv bewertet. Skepsis ist vorhanden, dominiert jedoch nicht die Wahrnehmung. KI wird als relevantes Zukunftsthema anerkannt, auch wenn der konkrete Weg zur Umsetzung noch nicht überall klar ist.

KI ist das absolute Trend-Thema. 27 % der IT-Dienstleister im IT-Infrastruktur-Bereich haben aktuell noch keine Pläne, KI-Lösungen anzubieten – für uns überraschend. Über ein Drittel der Befragten nutzt das Potenzial von KI-Lösungen bereits aktiv oder in Pilotprojekten gemeinsam mit Kunden. Wir sind gespannt, wie sich diese Entwicklung fortsetzt.
GERALD HOLLER – Geschäftsführer COMPRiS GMBH

Dass 27 % der IT-Dienstleister derzeit noch keine konkreten Pläne verfolgen, KI-Lösungen anzubieten, wird unter anderem damit begründet, dass KI den klassischen IT-Infrastrukturbereich aus Sicht vieler Befragter nicht im gleichen Maße betrifft wie andere Anwendungsfelder – etwa Kundenservice und Customer Experience, Vertriebs- und Marketingunterstützung oder Datenanalyse und Business Intelligence.
Lediglich 5 % der Befragten sehen relevante Chancen von KI in Produktion und Fertigung beziehungsweise in Supply Chain und Logistik. Dies unterstreicht, dass OT-nahe Themen (Produktions-IT) weiterhin nicht zum Kerngeschäft des Großteils der IT-Dienstleister zählen.
Als größte Bremsfaktoren gelten nach wie vor Regulatorik und Sicherheit. Datenschutz, Security und rechtliche Unsicherheiten werden klar als die zentralen Herausforderungen wahrgenommen. Gleichzeitig fällt vielen IT-Dienstleistern die Orientierung im KI-Markt schwer, insbesondere die Auswahl geeigneter, passender Lösungen wird als komplex und anspruchsvoll eingeschätzt.
Die Ergebnisse basieren auf einer COMPRiS Market-Insights-Umfrage unter 394 IT-Dienstleistern, Systemhäusern, Systemintegratoren und Service-Providern in Deutschland und Österreich, durchgeführt im November und Dezember 2025.
Befragt wurden Geschäftsführer, Vertriebsleiter sowie Verantwortliche für Herstellerauswahl und Portfolio-Management.
Die COMPRiS Market Insights liefern regelmäßig datenbasierte Einblicke zu Markttrends, Reifegraden und Herausforderungen im indirekten Vertrieb und Channel-Umfeld.
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